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Ein Gespräch über guten Schlaf und wie er ins Schlafzimmer (zurück-)kommt.

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Die Leidenschaftt für Holz, die aus dem ursprünglichen Tischlereibetrieb entstammt, setzt sich bis heute in der Leidenschaft für Naturprodukte rund ums Schlafen fort. Seit mehr als 30 Jahren beschäftigt Herbert Sigl sen. sich mit dem Thema natürlich Schlafen und hat die zweite Generation, Herbert Sigl jun., bereits 2002 mit in das Unternehmen, die Relax Natürlich Wohnen GmbH, geholt. Inmitten des Salzburger Landes entwickeln sie Bettsysteme, die darauf zielen, Natur und Schlaf zu gesunder Erholung zu vereinen. „Jeder Mensch sollte einen Schlafplatz finden, an dem er gut ein- und durchschlafen kann“, betont der Juniorchef. Wie dies gelingt, verrät der Möbeldesigner und Innenraumgestalter mit Schreinermeister-Brief im Interview.

Hr. Sigl jun., schlafen Sie generell gut?

Ja, ich schlafe eigentlich sehr gut, wenngleich sich unser Schlaf mit kleinem Kind derzeit nach dessen Bedürfnissen richtet. Da ich aber auf meinen regelmäßigen Schlafrhythmus mit festen Bett- und Aufstehzeiten achte, ist das verkraftbar.

Konnten Sie guten Schlaf schon immer für sich verbuchen oder hatten Sie persönlich auch schon mit Schlafproblemen zu tun?

Ich war schon als Kind beim Thema Schlaf sehr sensibel, habe jede Nacht die Decke verloren, war unruhig im Schlaf. Meine Eltern, insbesondere mein Vater, hatten sich intensiver damit beschäftigt und festgestellt, dass auf unserem ehemaligen Bauernhof die Starkstromleitung eines Heugebläses genau durch die Wand verlief, an der ich schlief. Also wurde das Zimmer gewechselt, weg von den Leitungen.

 

Ist dies, Störquellen in der Schlafumgebung, ein wesentlicher Knackpunkt schlafloser Nächte?

Es geht meist um mehrere Komponenten. In welchem Umfeld liege ich, auf welcher Bettunterlage, welche Materialien finden sich Schlafzimmer, welche Böden oder Farben und fühle ich mich dort wohl? Das Bettsystem selbst macht einen Teil von gutem Schlaf aus, aber auch das Schlafumfeld beeinflusst: Licht, Geruch, Lärm, das Schnarchen des Partners. Und viele Menschen reagieren empfindlich auf Stromleitungen in der Wand, auf Strahlungen von Handys oder Schnurlostelefonen oder auf Wasseradern und Erdverwerfungen. Die ergonomische Schlafunterlage alleine ist also nicht das Allheilmittel. Wenn ich aber ergonomisch schlecht liege, wirkt sich dies körperlich aus. Ist die Wirbelsäule falsch gelagert und gestützt, kann dies vom betroffenen Wirbel wiederum auf spezielle Körperpartien ausstrahlen, zum Beispiel vom Gesäßwirbel in die Zehen, vom Nackenwirbel in Richtung Kopf und Zähne. Ich kenne Fälle rätselhafter Zahnschmerzen, die aus schlechter Schlafergonomie resultierten. Bei körperlichen Beschwerden, wenn man jede Nacht aufwacht und wach liegt, ohne dass aktuell psychische Belastungen vorliegen, sollte die Schlafstätte überdacht werden. 

Wo liegt nach Ihrer Erfahrung das hauptsächliche Problem, dass wir zu einer ruhe- bis schlaflosen Gesellschaft werden?

Wir haben uns in den letzten 20 Jahren ein Vielfaches mehr an Technik in unsere Häuser und unsere Schlafumgebung gepackt. Von WLAN, das 24 Stunden läuft, bis zum Fernseher im Schlafzimmer. Wenn Geräte schon im Schlafzimmer sein müssen, sollten diese, auch das WLAN, zumindest über Nacht ausgeschaltet werden. Also nicht auf Standby, sondern komplett, am besten mit einem automatischen Netzfreischalter. Auch Handys haben im Schlafzimmer nichts zu suchen.

Was ist darüber hinaus bei (Ein-)Schlafproblemen zu beachten?

Grundsätzlich ist gestresst nach Hause kommen und direkt ins Bett gehen oder Stress mit ins Bett nehmen schlecht. Auch Medien- oder Handykonsum vor dem Bettgehen stresst. Lieber vorher in Ruhe einen Tee trinken, ein Buch lesen, das Handy weglegen. Auch negative Gedanken oder Diskussionen mit dem Partner gehören nicht ins Schlafzimmer, lieber mit zeitlichem Vorlauf Sofa-Gespräche führen und Körper und Geist vor dem Schlafenlegen zur Ruhe kommen lassen. Auch Stoßlüften vor dem Bettgehen ist Sommer wie Winter zu empfehlen, etwa eine halbe Stunde vorher. Dann die Fenster aber wieder schließen. Im Winter kann auch leicht temperiert werden, solange noch ausreichend Luffeuchtigkeit im Raum bleibt. Die optimale Schlaftemperatur liegt bei 18, 19 Grad, zu kalt ist also auch nicht gut. Für die Zudecke gilt ebenso, dass sie die Temperatur des Körpers halten, zugleich aber Feuchtigkeit regulieren soll, denn sie bestimmt immerhin 80 Prozent unseres Wärme-Kälte-Empfindens. So gibt es z.B. dünne Decken mit Wildseide-Füllung für den Sommer, Winterdecken aus
wärmender Schafwolle oder Ganzjahresdecken, die oft aus Schurwolle sind. Die gut waschbare, natürliche Ganzjahres- Variante sind Tencelfaser-Decken mit Holzfaser-Füllung, die auch für Allergiker geeignet sind und gut Feuchtigkeit aufnehmen, wenn man nachts schwitzt.

Welche Rolle spielt denn der Schlafrhythmus für einen erholsamen Schlaf?

Sind die Schlaf- und Bettgehzeiten unregelmäßig, wirkt das dem persönlichen Schlafrhythmus und gutem Schlaf entgegen. Natürlich muss jeder seinen eigenen Schlafrhythmus finden, aber am Ende sollten die guten acht bis achteinhalb Stunden Schlaf rauskommen. Regelmäßigkeit lautet die Devise, auch an den Wochenenden. Diejenigen, die ihren Wohlfühl-Schlafrhythmus gefunden haben, gut und tief schlafen, können sich übrigens meist an die Traumphase zum Schlafende hin nicht erinnern. Sie nehmen weder nächtliche Schlafunterbrechungen noch Träume bewusst geistig wahr.

Worauf setzen Sie bei Ihren natürlichen Bettsystemen für guten Schlaf?

In einem Raum mit Naturmaterialien, davon bin ich überzeugt, schläft es sich besser. Ich spüre ja auch im Wald, in der Natur, dass sie mir guttun. Unsere Relax-Bettgestelle und Holztellersystem sind daher aus Massivholz, oft verarbeiten wir Zirbe, auch in den Auflagen und Bettwaren. Schon alleine der Geruch der Zirbe tut vielen gut und beruhigt. Der Puls wird ruhiger, das Herz muss weniger arbeiten, man schläft geruhsamer.